Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen
Arne Jansen & Stephan Braun – Gitarrenfestival
Tickets buchen
Arne Jansen, Stephan Braun: Short Stories
Das ist eine wirklich gute Geschichte. Zu diesem Schluss kamen die internationalen Medien angesichts des ersten gemeinsamen Albums von Arne Jansen und Stephan Braun. Auf „Going Home“ interpretierten Jansen, laut Süddeutscher Zeitung „einer der besten und vielseitigsten deutschen Gitarristen“, und Braun, sein kongenialer Partner an Cello und Kontrabass, Stücke der legendären Rockband Dire Straits auf überraschend andersartige Weise. „Zum Heulen schön“, befand das Magazin Kulturnews, während FAZEmag dem Duo „berauschende Bescheidenheit“ bescheinigte. Am treffendsten brachte es das US-Fachblatt Stereophile auf den Punkt: „What fun this album is!“
Für ihre neue Einspielung gaben die beiden vielbeschäftigten Musiker, die man in der Vergangenheit unter anderem an der Seite von Melody Gardot, Nils Landgren, Till Brönner, Nils Wülker, Anders Jormin oder dem Orchestra Baobab hören konnte, die Leitlinie aus: Wir erzählen unsere eigenen Geschichten. „Mit dem Dire-Straits-Programm sind wir oft aufgetreten“, erzählt Gitarrist Jansen, „dabei haben wir auch eigenes Material eingestreut, da wir ja normalerweise keine Cover machen, sondern selbst komponieren. Nach den Konzerten kamen immer wieder Leute zu uns, die diese Stücke besonders toll fanden.“
Davon ausgehend besteht „Short Stories“ nun bis auf zwei Ausnahmen aus Stücken, die eigens für die Aufnahme geschrieben wurden. Und auch die Rollenverteilung zwischen Jansen und Braun ist eine deutlich andere als auf dem Erstling. War der Gitarrist bei der Dire-Straits-Hommage so etwas wie ein Sänger auf sechs Saiten und für die Melodien zuständig, so ist es nun auch Braun, der auf Cello und Bass die Themen vorgibt oder virtuos soliert – etwa im ungemein berührenden „The Way of Truth“ oder im dynamischen „96 Minutes“.
„Bei uns hast du diese völlige Gleichberechtigung in jeder Hinsicht“, schwärmt Braun von der Zweierkonstellation, „aufgrund der Natur unserer Instrumente können wir solistisch agieren, aber genauso gut begleiten. Dieses Geben und Nehmen ist großartig.“ Jansen ergänzt: „Häufig wird ja in Genregrenzen gedacht. So eine ideologische Denkweise ist überhaupt nicht unser Ding. Bei uns geht es nur um das Miteinander, man will den anderen immer besser klingen lassen.“
Abgesehen davon, fügt der Gitarrist hinzu, handele es sich bei seinem musikalischen Gegenüber um einen Pionier des Cello-Spiels: „Er kommt aus der Klassik, denkt aber wie ein Jazz-Saxofonist und hat noch dieses Groove-Ding und den Umgang mit Effekten drauf. Da fallen mir sonst nicht so viele Cellisten ein!“ Mit dieser Meinung steht Jansen nicht allein da: US-Gitarren-Star Pat Metheny schrieb Braun schon mal eine begeisterte Fan-Mail, nachdem er dessen Cello-Videos auf YouTube gesehen hatte.
„Short Stories“ zeigt, wie meisterhaft und innovativ Jansen und Braun ihr Instrumentarium beherrschen – dank spezieller Spieltechniken und dem Einsatz von Delays, Loops und Volume-Pedals klingt das oft nach viel mehr als nur nach einem Duo. Da meint man, Synthesizer zu hören, das rhythmische Schaben eines Schlagzeugbesens oder fein pulsierende Grooves. Der narrative Faden, der alles zusammenhält, lautet: Freundschaft. Man hört in jedem Ton, dass sich Jansen und Braun schon seit Ewigkeiten kennen und tief verbunden sind. „Wir wohnen sehr nah beieinander im Berliner Norden, haben Kinder im gleichen Alter und sehr viele gemeinsame Gesprächsthemen. Wenn wir zusammen unterwegs sind, wird eigentlich die ganze Zeit gequatscht“, lacht Braun.
Von dieser Lust an Kommunikation und dem Vertrauen darauf, auch die innersten Gefühle freimütig preisgeben zu können, sind die zehn Stücke auf „Short Stories“ entscheidend geprägt. Jede Komposition hat einen eigenen erzählerischen Ansatz. Mal haben die zwischen Jazz, Folk, Pop und Americana angesiedelten Storys einen dezidiert literarischen Background. So entfalten etwa „Dolphin Hotel“, „In a Hundred Years“ oder „For Ever and Ever“ ihre eigene Poesie auf der Basis von Romanen und Gedichten wie Haruki Murakamis „Wilde Schafsjagd“, Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ oder A.A. Milnes „The End“. Andere Stücke verwandeln Reiseerinnerungen in intime instrumentale Zwiegespräche – so stammt die Inspiration für „Where Once the Water Flowed aus einer bewusstseinserweiternden Wanderung durch ein ausgetrocknetes Flussbett in der Provence, während „The Trees Remember“ auf dem Besuch eines verwunschen-verlassenen Dorfs in Istrien fußt.
Und dann wiederum haben diese Geschichten einen starken persönlichen Hintergrund. Wie beispielsweise der lässig schlendernde „Song for Issa“, mit dem sich Jansen und Braun vor dem großen Griot-Erzähler Issa Cissokho verbeugen, dem 2019 verstorbenen Saxofonisten des Orchestra Baobab. Oder „The Way of Truth“, das sich auf ein Schlüsselerlebnis in Jansens Studentenzeit bezieht. „Ich war Teil des ,Live Music Now‘-Programms von Yehudi Menuhin, das Studierenden die Chance gibt, in sozialen Einrichtungen Konzerte zu geben“, erinnert sich der Gitarrist. „Einmal traten wir im Duo in einem Krankenhaus auf und da war direkt vor mir eine Patientin in meinem Alter, die im Sterben lag. Da habe ich komplett anders gespielt. Es ging plötzlich nur noch darum, so tief wie möglich in mir zu graben, um dieser Frau etwas Gutes mitzugeben. Ich habe da gemerkt: Deshalb mache ich Musik. Je älter ich werde, desto klarer wird mir: Mir geht es darum, etwas Wahrhaftiges zu erzählen.“
„Short Stories“ ist voll von dieser demutsvollen Zurückhaltung. Wie jeder gute Geschichtenerzähler lassen Jansen und Braun Platz für das Ungesagte und eröffnen damit Interpretationsräume mit langem Nachhall im Kopf der Zuhörenden. So, wie es auch die Spezialität von Songwriter-Genius Bob Dylan ist, mit dessen „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ die Aufnahme endet. Es sei Wahnsinn, wie aktuell dieser unter dem Eindruck der Kuba-Krise entstandene Song sei, findet Jansen. Gemeinsam mit dem apokalyptisch-hitzeflirrenden „Before the Rain“ aus der Feder des Gitarristen gibt der Dylan-Song dem Album eine erzählerische Klammer, die an ein berühmtes Zitat von Leonard Bernstein erinnert: „Dies wird unsere Antwort auf Gewalt sein: Musik noch intensiver, noch schöner, noch hingebungsvoller zu machen als je zuvor.“ Mit „Short Stories“ tragen Arne Jansen und Stephan Braun ihren Teil dazu bei, dass aus diesen Worten klingende Wirklichkeit wird.
arnejansen.com
Eintritt: 20,- Euro
Karten in der Kunsthalle oder unter 038293/7540