In Liedern, Dialogen, Monologen und Extempores versuchen Haase & Thalheim sich in ihren jeweiligen Weltsichten und Vorurteilen zu behaupten.

Junger Rockpoet gegen Chansonnière im besten Seniorenalter.

Oder umgekehrt?

1989, als die DDR implodierte, war Christian Haase acht Jahre alt. Seine Eltern im Leipziger Neubauviertel Grünau konnten noch getrost davon ausgehen einen Gymnasiallehrer mit Drahtseilnerven und sicherem Einkommen in die neue Welt zu entlassen. Abitur, Studium, Verbeamtung. Aber Haase schmeißt hin, schreibt Songs, die er zur Gitarre und wenig später mit goovenden Musikanten vorträgt. Das Publikum ist mitunter skeptisch. Meint, der klingt wie Gundermann. Haase weiß gar nicht wer das ist, bzw. war. (Gerhard Gundermann, Singer Songwriter, Baggerfahrer, 1955-1998) Spätestens 2013 nach Haases 6. Album mit eigenen Songs ist klar: Haase ist kein Wiedergänger des singenden Baggerfahrers aus Hoyerswerda, obwohl er mit dessen ehemaliger Band „Seilschaft“ einer der besten Interpreten von Gundermann-Songs in Deutschland ist. Haase klingt wie Haase. Er schreibt eigene Songs, in denen das Wort Zukunft keine Metapher für Utopie ist.

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1989 schien Barbara Thalheims Künstlerbiografie eigentlich zuende geschrieben. Immerhin steht die Liedermacherin bereits seit 1973 mit unterschiedlichen musikalischen Besetzungen auf der Bühne. Ein Lebensverlauf titelte Marlies Menge in den 90er Jahren in einem Artiekl in der Zeit.
Kann man sich im Leben verlaufen? Man kann. Thalheim hat in den Siebziger Jahren sogar mal drei Schlager aufgenommen, für die sich sich heute schämt. Einer hieß „Frühling in der Schönhauser Allee“ und wurde 2003 von der Berliner Band Nylon gecovert.
In den 70er und 80er Jahren erschienen drei von Thalheims LPs bei Amiga und Polydor (im anderen Deutschland) gleichzeitig.
Als die Mauer fiel war sie 42 Jahre alt. Da entließ sie ihre Band und ging 1993 nach Paris. „Ich wollte das tun, was meine westdeutschen Freunde mit Achtzehn tun konnten, die Welt anschauen. Deutschland von außen leben zu können hat mich verändert.“
In ihren heutigen Liedern, auch den heiteren, schwingt oft ein wenig Trauer mit. „Das ist die Traurigkeit die der Erkenntnis folgt, dass das Geschenk der
Maueröffnung für meine Generation ein wenig zu spät kam. Kosmopoliten konnten wir Nachkriegskinder nicht mehr werden, dafür waren wir 1989 schlicht zu alt.“
Thalheim hat über 20 Schallplatten und CDs, sowie Bücher, Radiofeatures und Artikel veröffentlicht. Zweimal erhielt sie den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Künstler-Webseite: http://www.barbara-thalheim.de/

Eintritt: 17,- Euro; für Kühlungsborner oder gegen Kurkarte 15,- Euro
Karten in der Kunsthalle oder unter 038293 / 7540