Jockel Reisner – Malerei / Skulpturen / Grafik

Die Rezipierbarkeit der Kunst Jockel Reisners geschieht nicht nach dem selben Muster, denn er verfolgt entweder einen intellektuellen Ansatz und zitiert per Chiffre, die dekodiert werden muss, versieht seine Kompositionen mit symbolischen oder mythologischen Anspielungen oder siedelt seine Arbeiten im allgemeinverständlichen Sinnhorizont an.

Thematische Vielfalt und formale Differenziertheit zeichnen das Werk des Bildhauers, Zeichners und Grafikers Jockel Reisner aus. Sein umfangreiches Œuvre könnte als Antwort auf „Rappel à l’ordre“, den berühmten Aufruf Jean Cocteau’s, verstanden werden, in dem eine vielseitige Künstlerpersönlichkeit jenseits aller Stile gefordert wird, ein Universalgeist, der aus dem Ideenreichtum verfügbarer artifizieller Quellen schöpfen darf und trotzdem seine ureigensten Erfindungen und momentanen Eingebungen künstlerisch-originell umzusetzen weiß. In dieser Sichtweise der Kunst, die eine Bewegung in alle Richtungen, einschließlich der in die Vergangenheit, zulässt, ist Reisner Realist, Surrealist, Transavantgardist und Expressionist in einer Person. Seine Werke dienen der Dekoration gleichermaßen wie der Mitteilung, laden zur Kontemplation ebenso sehr ein, wie sie zur Auseinandersetzung bis zum Protest hin verleiten. Mit Krieg, Gefangennahme und dem damit verbundenen Leid und Unrecht setzt sich der Pazifist Reisner in vielen seiner Werke auseinander.

Vor allem in den Zeiten der amerikanischen Militärintervention in Vietnam und des Rüstungswahns zwischen Ost und West während des Kalten Krieges wird dieser Themenkreis zu seinem künstlerischen Hauptanliegen. Indem er negative, bedrohliche Aspekte des Daseins ausleuchtet, will er nicht auf aggressive Weise provozieren und schon gar nicht demontieren, sondern lediglich seine tief empfundene Humanität manifestieren. Ein immer wiederkehrendes Thema, das Reisner sowohl zeichnerisch als auch bildhauerisch umsetzt, ist „die weltgeberische Selbstherrlichkeit des Menschen, seine auf Sinn und Verstand gegründete Allmacht“ (E. Friedell), welche in den Zeiten fragilen Weltfriedens und angesichts unberechenbaren technologischen Fortschritts für die Spezies Homo Sapiens zum Verhängnis von nie dagewesenem Ausmaß werden könnte.

Denkt man sich in die Werke Jockel Reisners hinein und setzt man sich mit ihnen eingehend auseinander, ist die gedankliche Welt des Künstlers perzeptibel, aber auch die eigene genauso fassbar – man versteht.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 13:00 – 17:00 Uhr.