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Lundgren & Backenroth – Piano Tage

Kunsthalle

Jan Lundgren & Hans Backenroth
The Gallery Concerts II

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. […] Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“, heißt es in einem der bekanntesten Gedichte Hermann Hesses. „Jazz Poetry“ lebt von dieser Magie des Neubeginns und dem Mut, sich dem Moment hinzugeben: Es ist das erste Konzert des Pianisten Jan Lundgren mit dem Bassisten Hans Backenroth im Duo, die dafür ausgewählten Stücke wurde eigens für den Abend zusammengestellt und bisher ungehörte Kompositionen kamen zur Aufführung. Der Rahmen dafür könnte kaum inspirierender sein. Inmitten zeitgenössischer Werke von Künstlern wie Philip Taaffe, Gerhard Richter, Martin Noël und Martin Assig und mit einem erlesenen Publikum kommt es in der ACT Art Gallery von Produzent Siggi Loch zu exklusiven Musikabenden, den „Gallery Concerts“. Im Zentrum steht der Alfred Brendel Steinway Flügel, auf dem der Starpianist einst in der Berliner Philharmonie seine Konzerte gab.

Dass Jan Lundgren ein wahrer Jazz -Poet ist, hat er im Laufe seiner Karriere schon oft bewiesen, besonders mit dem Mare Nostrum-Trio, aber auch zuletzt mit Emile Parisien und Lars Danielsson auf „Into the Night“. Der Untertitel des „Gallery Concerts II“ könnte deshalb nicht treffender sein: „Wie ein Gedicht regt auch die Musik deine Fantasie an. Ein Klang kann abstrakt wie eine Metapher sein. Wie Schriftsteller erzählen auch wir Musiker Geschichten und erzeugen Bilder im Kopf. Beide wollen wir die Herzen der Menschen erreichen und sie berühren“, so der Pianist. Ein hehres Ziel, das „Jazz Poetry“ einlöst. Lundgren und Backenroth gelingt ein lyrischer Dialog zwischen Jazz und Klassik, Volkslied und Song.

Zwei Schweden, Klavier und Bass im Duett. Unweigerlich fühlt man sich an das legendäre „Jazz på svenska“-Album von Jan Johansson mit Georg Riedel erinnert, bis heute ein Meilenstein des skandinavischen Jazz. Das „Gallery Concert“ spielt an diese historische Aufnahme von 1964 an, besonders mit den beiden Volksmusik-Adaptionen „Polska No.1“ und „Gårdsjänta“, geht aber darüber hinaus, denn das Besondere an Lundgrens Kunst ist seine Fähigkeit, die unterschiedlichsten Musikstile zu vereinen. Nicht nur die Klangsprache seiner Heimat durchzieht sein Spiel, auch die Verwurzelung in der amerikanischen Jazzpianotradition ebenso wie in der abendländischen Kunstmusik sind unüberhörbar.

So folgt auf Leonard Cohen Mozarts „Lacrimosa“ und ein Beatles-Klassiker findet ebenso seinen Platz wie der Jazz-Standard „Stella by Starlight“. Swing, nordische Vemod, (mozartsche) Verspieltheit und impressionistischer Esprit stehen bei Lundgren ganz selbstverständlich nebeneinander. In seinen Eigenkompositionen zeigt er sich als betörender Melodiker. Beeindruckend ist die Leichtigkeit mit der das Duo seinen Premierenauftritt gestaltet. Resultierend in einem Flow, der das Unvorhergesehene ganz selbstverständlich klingen lässt.

Es ist erstaunlich, dass Lundgren und Backenroth erst jetzt als Duo z usammengefunden haben, kennen sie sich doch schon aus frühen Jahren als ihre Karrieren begannen. Seitdem haben sich die Wege immer wieder gekreuzt, auch auf Aufnahmen, bei denen beide als Sidemen engagiert wurden. „Wir standen immer in Kontakt, aber bisher hatte es sich nie ergeben, dass wir einmal ein eigenes Projekt starten. Als Siggi Loch mich dann zu einem Konzert in seine Galerie einlud, um ein neues Programm zu probieren, war Hans meine erste Wahl. Er ist ein großartiger Bassist, erstaunliche Technik, ein warmer, voller Ton. Und ein einfühlsamer Begleiter mit einem großen Ohr für Melodien.“ Diese Qualitäten wissen auch andere zu schätzen, vor allem die erste Garde des schwedischen Jazz. Die Saxofonlegende Arne Domnerus bezeichnete Backenroth einst als besten Bassisten, den sein Land hervorgebracht habe. Putte Wickman, Monica Zetterlund, Svante Thuresson und Ulf Wakenius sicherten sich ebenfalls die Dienste von Backenroth…und, was viele nicht wissen, er war der erste Bassist des Esbjörn Svensson Trios. International spielte er mit Scott Hamilton, James Moody, Kenny Barron und vielen mehr. Auf über 150 Alben ist der 1966 in Karlstad geborene Backenroth bis heute zu hören.

Dieses Duo wird keine Eintagsfliege bleiben. Mit dem „Gallery Concert“ ist der Anfang gemacht und der Weg bereitet für eine andauernde Zusammenarbeit, die ab Winter 2022 mit weiteren Konzerten fortgeführt wird. Ein hinreißendes Duo: Klangpoesie als feinster Kammerjazz.

Eintritt: 20,- Euro
Karten in der Kunsthalle oder unter 038293 / 7540

Kunstverein Kühlungsborn e.V.
Ostseeallee 48
18225 Kühlungsborn

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag
12:00 -17:00 Uhr